Ich wurde am 31.10.1956 in Thessaloniki (Griechenland) geboren und kam mit meinen Eltern am 5.12.1961 nach Deutschland, wo wir uns in Herten niederließen. Es sollte eigentlich nur ein kurzer Aufenthalt in diesem uns fremden Land werden, jedoch irrten wir uns in diesem Fall.

Mit Kampfsport kam ich eigentlich schon sehr früh in Kontakt. Ich war damals gerade 8 Jahre alt, als ein Nachbarjunge mir anbot, mit ihm zum Judotraining zu gehen.

Ich hatte damals ein wenig Angst, weil ich nicht wußte, was mich dort erwartete. Aber meine Zweifel beseitigte er dadurch, daß er mir und auch meinen Eltern versprach, auf mich besonders aufzupassen. Dies konnte er am besten, da er dort die Anfängerkurse leitete. Er selber war zwar nur Braungurt, aber für meine und meiner Mitsportler Vorstellung war er unerreichbar weit fortgeschritten. An seinen Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber ich glaube doch, daß ich ihn irgendwann einmal wiedersehen werde.

In diesem Verein trainierte ich außerhalb jeglicher Anmeldung, wie auch später zu anderen Gelegenheiten, weil meine Eltern von Kampfsportarten nichts hielten und als viel zu gefährlich betrachteten.

Dieser mein erster Trainer ging dann nach kurzer Zeit aus Herten weg und es kam ein neuer.

Lutz (Ludger) von der Gönna war sein Name. Ein langer Mensch mit einem großen, dichtgewachsenen und wildwuchernden Oberlippenbart, ziemlich wild und angsteinflößend aussehend.

Das war der erste Eindruck, den man von ihm bekam, welcher allerdings ganz und gar nicht stimmte. Er war die Liebenswürdigkeit in Person, der auch die Schwächen jedes Einzelnen mit einem Lächeln unter seinem großen Bart beseitigte und alle Schüler zum effektiven Weitermachen überredete.

Bei ihm wurde das Training für uns alle etwas interessanter. Er brachte etwas Neues mit, von dem wir alle noch nie etwas gehört, geschweige denn etwas gesehen hatten: das Jiu-Jitsu.

Nun lernten wir auch Techniken, die reeller für die eigentliche Selbstverteidigung waren. Schlagen, treten und wie man diesen oder jenen Angriff abwehren kann.

Dann waren da auch noch diese Hebeltechniken, die ich zwar gerne ausführte. Die ich aber haßte, sobald sie an mir ausgeführt wurden.

Ab meinem 13. Lebensjahr ging ich, wie alle meine Freunde, weil es nun mal In war, auch zum Boxtraining. Ohne dabei das Judo und Jiu-Jitsu zu vernachlässigen. Zwei Jahre lang betrieb ich mit Eifer diesen Sport, doch mit 15 brach ich diesen ab, da mir meine Eltern (was schon mehrere Male vorgekommen war), ihre Einwilligung verweigerten, auch an richtigen Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen.

Der Reiz war weg!

Aber ich fand etwas Neues, an dem ich meine Freude hatte, ich wollte einem Karate Verein beitreten.

Oh, was wußten wir damals wenig!

Karate war in aller Leute Munde, die neue Sportart, die sehr stark von "Karate-Emma-Peel", aus der Fernsehserie "Mit Schirm, Charme und Melone", beeinflußt wurde, dieser Übersport, dem niemand gewachsen zu sein scheint.

Allerdings wußten fast alle die zu dieser Zeit Karate lernten nicht, daß sie Tae-Kwon-Do übten. Das war ja gar nicht so schlimm, aber wegen Tae-Kwon-Do wäre wohl zu dieser Zeit niemand in einen Verein gegangen, obwohl man Tae-Kwon-Do auch als Karate bezeichnet, als koreanisches Karate.

Karate war das Stichwort, welches die Menschen anzog.

Zudem kam auch noch folgendes Problem, welches in meiner Kindheit nicht zuwenig erschien: meine Eltern.

Zum einen war ihnen der monatliche Beitrag, der aufgebracht werden sollte, zu hoch, und zum anderen fand das Ganze zu weit entfernt statt. Demzufolge verging noch ein Jahr, bis ich endlich 16 Jahre alt wurde und mein Kleinkraftrad bekam. Somit unabhängiger (von anderen) wurde, um immer mitgenommen werden zu müssen. Zudem war ich nun in der Lehre, verdiente ein paar Mark und konnte sie auch so ausgeben, wie ich es für richtig hielt.

In der Zwischenzeit war ich allerdings mit Freunden, die schon hier und da Tae-Kwon-Do bzw. Karate trainierten, mitgefahren. Ich hatte mir ihr Training angesehen und auch schon mal probeweise mitgemacht. Dabei stellte ich fest, daß es große Unterschiede sowohl in der Qualität als auch in der Quantität der einzelnen Schulen bzw. Vereinen gab.

Als es nun soweit war, mich einem Verein anschließen zu wollen, begann die große Suche nach dem "richtigen" Verein, dem, der mir am besten zusagte. Ich fuhr überall hin und schaute mir verschiedene Schulen an, von denen ich gehört hatte.

Einmal war ich in Gelsenkirchen unterwegs und suchte eine Sporthalle, in der Tae-Kwon-Do trainiert wurde.

Irgendeiner von vielen, welche ich nach dem Weg fragte, erklärte mir dann, daß er zwar nicht wisse, wo dies sein sollte. Aber ganz in der Nähe wäre auch so etwas in der Art.

Nachdem ich nun das, wohin er mich lotste, gefunden hatte, stand ich vor einem großen Schaufenster, wo ich etwas mir bisher noch Unbekanntes sah.

Dort stand in großen Lettern Kung-Fu.

Was das wohl sein mochte, war mein erster Gedanke, doch frei nach dem Motto: "Was ich nicht gesehen habe, kann ich nicht beurteilen, öffnete ich die Tür, ging hinein und schaute mir, nachdem ich höflich gefragt hatte, das Training an.

Was ich dort sah, beeindruckte mich so sehr, daß ich mir dachte, es sei reiner Zufall, daß diese Leute gerade an diesem Tag Techniken trainierten, welche ich vorher noch nie gesehen hatte.

Vor allem die Art und Weise wie geübt wurde, war vollkommen anders. Also beschloß ich, mir in dieser Sportschule auch andere Trainingstage anzusehen.

So war ich also in der Woche darauf ständig zuschauender Gast, bis mich einmal der Leiter dieser Schule, mein späterer Meister, Dietrich Linke, ansprach, ob ich nicht mal mitmachen wolle.

Da mir dieses bis dahin unbekannte Kung-Fu zusagte, begann ich dort meine ersten Kung-Fu-Schritte zu gehen.

Nach einer harten Zeit des Übens legte ich dann am 26.03.1976 die Prüfung zum 1. Toan ab und war somit endlich am langersehnten Ziel angekommen.

In der Zwischenzeit hatte mein Meister eine andere Schule in Essen eröffnet, in der ich auch als Trainer im Kung-Fu-Karato tätig war.

In dieser neuen, schönen und großen Schule beschäftigte mein Meister auch andere Trainer. Neben einigen anderen Stilen wurde dort auch Kampftraining in Form von Tae-Kwon-Do unterrichtet.

Was aber viel wichtiger war, es kam ein chinesischer Meister aus Taiwan, Hwang Ching-Zeng, der eigentlich in Köln Maschinenbau studierte, und unterrichtete uns an drei Abenden in der Woche, Nord- und Süd-Shaolin, Tan-Tuw, Chie-Kung und Tai-Chi-Chuan.

Hier legte ich dann am 15.01.1977 die Prüfung zum 2. Toan im Moh-Dschau Kung-Fu und Unterprüfungen zu den obengenannten traditionellen Stilen nach Hwang ab.

Die Jahre von 1971-1977 waren Jahre, in denen ich ausschließlich für den Kampfsport lebte. In dieser Zeit trainierte ich nebenbei im PSV-Essen Tae-Kwon-Do und Shotokan Karate beim Bundestrainer Ochi in Gladbeck.

Es waren allerdings nicht nur so namhafte Schulen und Trainer, die ich aufsuchte, sondern auch andere.

Mein Interesse war immer dann gestillt, wenn ich das Prinzip einer Kampfsportart und die Techniken, auf welche sie basierte, verstanden hatte.

Ich stellte dabei fest, daß alle Systeme lückenhaft für den Ernstfall waren. Wo es doch um Leben oder Tod zumindest um die eigene Gesundheit gehen könnte. Nur solange geeignet sind, wie der Gegner keinen anderen Kampfstil beherrscht. Manche Systeme waren sogar so schwach, daß sie nicht einmal gegen einen Straßenschläger hätten bestehen können.

Mit dieser Erkenntnis kam mir der Gedanke, etwas völlig Neues zu entwickeln. Bei dem Elemente aus allen Kampfsportarten vorkommen und sich so ergänzen, daß es zum einen keine Schwachstellen gibt, und zum anderen man sich im Ernstfall schnell und wirkungsvoll auf jede Art von Kampfstil und Gegner einstellen kann.

Das Prinzip ist: Je eher man weiß wie der Gegner angreifen kann und je später er weiß wie man ihn attackieren könnte, um so wahrscheinlicher ist es, daß man ihn besiegt.

Wenn man allerdings nicht ein wenig Kämpferherz sein eigen nennen kann, so nützt einem auch das beste System nicht. Man muß schon bereit sein, das Erlernte im Ernstfall richtig einzusetzen.

So kam nun langsam aber sicher Technik zu Technik hinzu. Welche bis heute noch immer weiter vervollständigt wird und wenn es die Zeit mit sich bringt: auch wieder verändert wird, um eben dies vollkommene Tao-Li-Lung Kung-Fu herzustellen.

Frei übersetzt heißt Tao-Li-Lung: Der Weg, des geistigen und körperlichen Reifens, bis man selber so stark ist wie der Drache. Der Drache ist in China das Symbol für Klugheit, Gewandtheit und Stärke.

So manche Techniken sind für Schüler noch nicht verständlich, aber im Laufe der Zeit, spätestens nach der ersten erfolgreichen Anwendung, werden sie es verstehen und zu schätzen wissen.

Ich kann an dieser Stelle nur noch allen meinen Schülern empfehlen, sich mehr um das praktische Üben der Techniken und weniger um den theoretischen Sinn der Einzeltechnik zu kümmern, denn darüber habe ich mir schon viel länger den Kopf zerbrochen.

Spätestens ab der Braungurtstufe, in der Vorbereitung zum 1. Toan, werden die ersten (für euch) Ungereimtheiten zu brauchbaren Selbstverteidigungstechniken, die fast jederzeit und zu jeder Gelegenheit zur Selbstvereidigung angewendet werden können.

1978 gründete ich dann bei der Spvgg. Blau Weiß Post Recklinghausen e.V. die Kampfsportabteilung mit der ersten Gruppe Kung-Fu, die heute ca. 110 Mitglieder zählt.

Seit 1986 wurde die Goshin-Jitsu Gruppe gegründet, und wir meldeten uns bei dem Goshin-Jitsu Verband NW e.V. an. Dort legte ich am 16.05.87 meine Prüfung zum 3. DAN Goshin-Jitsu ab.

 

Der Meisterring

Auf den nachfolgenden Abbildungen ist der Meisterring zu sehen. Er ist komplett Massiv aus 785er Gold und kann auch als Siegelring verwendet werden.

Die Fotos sind von meinem Ring, dem Ring des Si-Jo. Dieser unterscheidet sich von den Meisterringen nur in den Schriftzeichen, die um den Ring herumgehen. Auf meinem Ring ist der gleiche Text aufgeführt wie auf meinem Stempel.

Auf den Meisterringen sind jeweils links und rechts vom Drachen die Zeichen für Kung-Fu und jeder dieser Ringe hat eine Nummer. Diese Zahl gibt Aufschluß darüber, wer als erster, zweiter, dritter... u.s.w. seine Meisterprüfung im Tao-Li-Lung Kung-Fu bestanden hat. Dies ist keine Wertung über die Qualitäten der einzelnen Si-Fu`s. Der Ring wird auf dem linken Ringfinger getragen.

 

Zur Meisterwürde im Tao-Li-Lung Kung-Fu sind bisher folgende meiner Schüler gelangt:

 

Datum

Grad

Name

Ring-Nr

23. März 1986

1. Toan

Thomas Stachowiak

01

23. März 1986

1. Toan

Anastasios Tsakmakidis

02

23. März 1986

1. Toan

Martin Stachowiak

03

08. Mai 1992

1. Toan

Mike Haas

04

21. Aug. 1994

2. Toan

Mike Haas

23. Nov. 1994

1. Toan

Kerstin Knillmann

05

23. Nov. 1994

1. Toan

Benno Melniki

06

29. Mai 1997

1. Toan

Sabine Pries

07

29. Mai 1997

1. Toan

Anja Rösner

08

29. Mai 1997

2. Toan

Kerstin Knillmann

29. Mai 1997

3. Toan

Mike Haas

06. Juni1999

1. Toan

Agathe Bettermann

09

06. Juni1999

1. Toan

Thorsten Beerenbrock

10

06. Juni1999

1. Toan

Jörg Linnemann

11

06. Juni1999

1. Toan

Sabine Grasekamp

12

26.05.2002
1. Toan
Ulla Ulino
13
26.05.2002
1. Toan
Andree Bernardini
14