Gewandtheit, Geschicklichkeit, Reaktion
Es gibt Tage, an denen wir zwei linke Hände haben - das kennt wohl jeder. Schon beim Aufstehen geht alles schief, wir verschütten den Kaffee, kleckern mit der Marmelade und stolpern über die eigenen Füße. Zum Glück sind solche Tage nicht die Regel.
In unserer Sprache bezeichnen wir jemanden als `gewandt`, der schwierige und ungewohnte Situationen elegant meistert. Das können gesellschaftliche Situationen sein, dann spricht man von `weltgewandt`, aber auch Situationen, in denen unser Bewegungsvermögen gefordert wird. "Er ist äußerst gewandt im Umgang mit dem Ball", heißt es oft. "Geschickt" nennen wir Menschen, die knifflige Probleme gut und schnell lösen, sei es durch `taktisches Geschick` oder durch gekonnte Bewegungen. Handwerklich geschickt ist z.B. jemand, der kleinere Reparaturarbeiten ohne große Probleme erledigt. Im Sport bewundern wir das Geschick mancher Athleten im Umgang mit einem Sportgerät. "Reaktionsschnell" schließlich ist jemand, der Situationen schnell erfaßt und in kürzester Zeit darauf reagieren kann. Auch diese Fähigkeit bewährt sich in Alltagssituationen genauso wie im Sport. Einen herunterfallenden Gegenstand aufzufangen oder beim Elfmeter im Fußball noch an den Ball zu kommen - beides erfordert eine sehr gute Reaktionsfähigkeit.
Gewandtheit, Geschicklichkeit, Reaktionsfähigkeit - alle drei Fähigkeiten sind uns nicht in die Wiege gelegt worden. Sie lassen sich ebenso wie Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit üben und verbessern.
Die drei Fähigkeiten haben eines gemeinsam - sie beruhen auf einer guten Koordination. Unsere Muskeln arbeiten nicht von allein sondern sie erhalten ihre Befehle vom zentralen Nervensystem. Das steuert mit hunderttausenden von Nervenschaltstellen und Leitungsbahnen das Zusammenspiel unserer Muskeln und ermöglicht so erst eine Bewegung. Bei vielen Bewegungen ist dieses Zusammenspiel so automatisiert, daß wir darüber nicht nachdenken müssen.
Gehen, Laufen, Rasieren oder Kaffeetrinken erfordern normalerweise nicht unsere Aufmerksamkeit, es sei denn, wir sind an diesem Tag `mit dem linken Bein aufgestanden`. Bei neuen und unbekannten Bewegungen hingegen müssen wir uns auf dieses Zusammenspiel konzentrieren. Wir müssen es üben, bis es uns so vertraut ist, daß wieder automatisch ablaufen kann.
Die Zahl der Übungen zur Koordinationsverbesserung ist unüberschaubar. Weit wichtiger als einzelne Übungen ist jedoch das Grundprinzip: Üben Sie so abwechslungsreich wie möglich. Es kommt nicht darauf an, daß Sie einen genau festgelegten Bewegungsablauf erlernen, sondern daß Sie sehr viele und ganz unterschiedliche Bewegungserfahrungen machen. Je abwechslungsreicher dabei die Übungen sind, um so leistungsfähiger wird Ihr Nervensystem, und um so leichter wird es Ihnen nachher fallen, in neuen Situationen geschickt und schnell zu reagieren.