Beweglichkeit
Wahrscheinlich merken Sie es im Alltag genauso wie beim Sport - Ihre Beweglichkeit hat erheblich nachgelassen. Als Kind konnten Sie den großen Zeh bis zum Mund führen, als Jugendlicher im Stehen bei gestreckten Beinen mit den Händen den Boden berühren, als junger Erwachsener ein zusammengerolltes Handtuch an den Enden fassen und mit gestreckten Armen nach hinten auf den Rücken führen.
All das geht jetzt nicht mehr so ohne weiteres. Keine Soge - mit dieser Erfahrung stehen Sie nicht allein. Die Beweglichkeit läßt nämlich schon recht früh nach. Vor der Pubertät ist sie am größten, danach wird sie immer geringer. Das ist Ihnen zwar aufgefallen, doch so richtig lästig war es nie, und deshalb gab es auch keinen Grund etwas dagegen zu unternehmen.
Die Ursachen: Ihre Muskulatur hat sich verkürzt und verkrampft, die Gelenke sind nur noch unzureichend geschmiert. Beides läßt sich aber durch Übung verbessern. Muskeln können gedehnt und die Gelenke durch Bewegung wieder geschmiert werden. Nicht umsonst ist es heute üblich, schon wenige Tage nach einer Operation die Gelenke wieder passiv zu bewegen. Das fördert ihre Nährstoffversorgung und verhindert vorzeitige Abnutzungserscheinungen.
Was können wir hierfür tun? "Stretching" heißt das neue Zauberwort für die Beweglichkeit. Es kommt aus dem Englischen, bedeutet einfach nur "dehnen", und hat als Übungsprinzip das klassische Wippen abgelöst. Der Unterschied ist folgender: Wenn man sich z.B. mit gegrätschten Beinen hinstellt und versucht, mit den Händen den Boden zu berühren, dann hat man früher einige Male gewippt, ist dabei immer näher zum Boden gekommen, bis man ihn mit den Fingerspitzen erreicht hat. Beim Stretchen hingegen beugt man sich nach unten soweit es geht, das heißt bis man ein deutliches Ziehen an der Rückseite der Oberschenkel spürt, und bleibt etwa zehn Sekunden in dieser Position.
Die Begründung dafür, daß man heute dem Stretchen den Vorzug gibt, ist einfach. Unsere Muskeln verfügen über Meßfühler, welche die Länge des Muskels messen. Ihre Aufgabe ist es, Überdehnungen mit möglichen Einrissen zu verhindern. Wird ein Muskel gedehnt, so werden diese Meßfühler mitgedehnt. Sie geben dann dem Muskel den Befehl, sich zusammenzuziehen. Dies geschieht reflexartig und unwillkürlich, wir können es nicht beeinflussen. Besonders empfindlich reagieren die Meßfühler auf ruckartiges Dehnen. Wenn Sie also Ihren Muskel durch wippendes Üben dehnen wollen, so lösen Sie damit im gleichen Moment einen hemmenden Reflex aus. Dehnung und Gegenreaktion neutralisieren sich gegenseitig, dadurch bleibt der Übungseffekt sehr gering.
Das Stretching nutzt eine Besonderheit der Meßfühler aus: bei sehr langsamen Bewegungen ist deren Reaktion nicht so heftig, die hemmenden Befehle bleiben schwächer.
Gleichgültig, welche Muskeln Sie dehnen wollen, das Vorgehen ist immer gleich, gehen Sie in eine Position, in welcher der Muskel, den Sie dehnen möchten, ein deutliches Spannungsgefühl aufweist. Bleiben Sie 10 Sek. lang in dieser Position, entspannen Sie dann und wiederholen Sie die Übung mehrere Male. Das Stretching, das hauptsächlich auf die Muskeln wirkt, sollten Sie durch große kreisende Bewegungen in den Gelenken ergänzen.